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Bedeutender Prunkschrank


Bedeutender Prunkschrank mit Coromandel-Lackpanneaux, Louis XIV-Stil

 

Veilchenholz und Palisander gefriest sowie reich beschnitzt mit Maskaron, Mäanderband und Zierfries, teils eingelegt mit Boulle-Marketerie in “première partie“. Die Türspanneaux mit feinem Coromandel-Lack im „goût chinois“, auf dunklem Fond polychrome Pagoden- und Parklandschaft mit Figurenstaffage. Rechteckiger Korpus mit jochförmig abschliessendem, vorkragendem Kranz auf gekehltem Sockel mit markanten Kreiselfüssen. Front mit Doppeltür. Ausserordentlich reiche, matt- und glanzvergoldete Bronzebeschläge und –applikationen.

Signiert „Lippmann“ (Alphonse und Heber Lippmann, tätig 2. Hälfte 19. Jahrhundert).

Paris um 1880.

 

Höhe: 265 cm

Breite: 161 cm

Tiefe: 58 cm


Hochbedeutender Prunkschrank von perfekter Qualität, der sich an den Meisterschränken von André Charles Boulle aus der Louis XIV-Epoche orientiert. Als Vorbild diente ein Schrank, der sich heute im Museum „Louvre“ in Paris befindet. Er ist abgebildet in: A. Gonzales-Palacios, Il mobile francese dal Medioevo al 1925, Milan 1981 page 28. Das Gegenstück ist abgebildet in: H. Havard, L’art dans la maison, 1883, table VII.

Bei der Weltausstellung von 1878 wurde den Brüdern Alphonse and Heber Lippmann die Bronzemedaille verliehen. 1865 nahmen sie mit einer Lackkommode im Regence-Stil bei der „Exposition de l’union centrale des Beaux-Arts“ teil.

Als Coromandel-Lack bezeichnet man geschnittene bzw. geschnitzte und auf verschiedenen Ebenen mit Farbe bezogene Lackschichten; sie sind eine späte Sonderform des Schnitzlackes. Sein Ursprung ist vermutlich auf die seit der Shang-Zeit hergesetellten hölzernen Gegenstände zurückzuführen, deren flacher Schnitzdekor mit rotem bzw. schwarzem Lack übermalt war. Der wissenschaftliche Begriff des Coromandel-Lackes hat sich erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts durchgesetzt und hat seinen Ursprung in der 1750 erstmals dokumentierten französischen Bezeichnung „vernis de Coromandel“, die auf die südostindische Coromandel-Küste zurückzuführen ist. Dort besassen die Franzosen bis zu ihrer Verdrängung durch die Engländer 1761 Handelsniederlassungen, die als Umschlagplätze für fernöstliche Ware diente. In der englischen Literatur des 17. und 18. Jahrhunderts findet sich der Coromandel-Lack unter dem Namen „Batam work“, benannt nach einem Stützpunkt der Niederländisch-Ostindischen Handelsfirma in der Hafenstadt Bantam auf Java. Bantam war eine der Zwischenstationen für die Lackarbeiten auf ihrem Weg nach Europa. Früher wurde bei der Coromandel-Lackierung der meist aus Kiefernholztafeln zusammengefügte Untergrund mehrmals mit einer Grundierung überzogen, die aus Rohlack, Ton oder Kreidestaub und Tierblut bestand, danach poliert und mit mehreren Schichten braunen oder schwarzen Lack bemalt. Nach der Aushärtung wurden meist szenische oder florale Darstellungen in vertiefter Relief-Technik hineingeschnitzt und mit Farben oder leimversetzten Goldpulver aufgefüllt.

 

Literatur: D. Ledoux–Lebard, Le mobilier francais du XIXe siécle, Paris 1989, Seite 444.

Rainer Haaff, Prachtvolle Stilmöbel Historismus in Deutschland und Mitteleuropa, Leopoldshafen 2012, Ill. Titelseite und Seite 573, ill. 2617.

     


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